In der Apotheke steht bei der Pille danach ein ruhiges, wertschätzendes Gespräch im Vordergrund. Ziel ist es, in einer oft belastenden Situation sachlich zu unterstützen, eine ungewollte Schwangerschaft möglichst zu verhindern und dabei Deine individuelle Situation zu berücksichtigen. Die Beratung erfolgt diskret, auf Wunsch im separaten Raum, und ohne Wertung Deiner persönlichen Lebensumstände.
Ablauf der Beratung: in drei Schritten zur passenden Notfallverhütung
Zuerst klären die Apotheken, ob die Pille danach für Dich sinnvoll ist
Es wird gefragt, wann es zum ungeschützten Geschlechtsverkehr oder Verhütungsfehler (z. B. geplatztes Kondom, vergessene Pille) gekommen ist. Wichtig ist die Zeitspanne einzuschätzen, da es zwei unterschiedliche Wirkstoffe am Markt gibt. Levonorgestrel ist in der Regel innerhalb von 72 Stunden vorgesehen, Ulipristalacetat kann bis zu 120 Stunden nach ungeschütztem Geschlechtsverkehr angewendet werden; je früher, desto besser ist die Wirksamkeit. Eine Übersicht zeigt, dass Ulipristal innerhalb von fünf Tagen nach dem Geschlechtsverkehr insgesamt weniger Schwangerschaften verursacht als Levonorgestrel.
(Quelle: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/31102631/)
Zusätzlich wird nach Deinem Zyklus gefragt: Wann war der erste Tag der letzten Regelblutung, wie lang ist Dein Zyklus ungefähr, vermutest Du bereits eine bestehende Schwangerschaft oder ist Deine Regel deutlich überfällig? Die Pille danach kann eine bestehende Schwangerschaft nicht beenden, daher wird eine bereits eingetretene Schwangerschaft zunächst so gut wie möglich ausgeschlossen. Darüber hinaus wird mit diesen Angaben der Zeitraum des Eisprungs errechnet. Ein aktueller Übersichtsartikel bestätigt, dass die Notfallpille vor allem den Eisprung verzögert und damit eine Befruchtung verhindern soll.
(Quelle: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/37922775/)
Dann wird der geeignete Wirkstoff ausgewählt und auf Risiken geachtet
In Deutschland stehen hauptsächlich zwei Wirkstoffe zur Verfügung: Levonorgestrel und Ulipristalacetat. Studien und Übersichtsarbeiten zeigen, dass Ulipristal insbesondere im Zeitraum von 72 bis 120 Stunden nach dem ungeschützten Geschlechtsverkehr wirksamer sein kann als Levonorgestrel; innerhalb der ersten 72 Stunden sind beide sehr wirksam, vor allem bei frühzeitiger Einnahme.
(Quelle: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/28766313/)
In der Beratung werden mögliche Gegenanzeigen und Wechselwirkungen besprochen: Dazu gehören bestimmte Lebererkrankungen, schwere Asthmaerkrankungen unter bestimmten Therapien sowie Medikamente, die die Wirksamkeit abschwächen können (z. B. einige Epilepsiemittel, Mittel gegen Tuberkulose oder bestimmte pflanzliche Präparate). Auch ein sehr hohes Körpergewicht oder ein stark erhöhter Body-Mass-Index kann die Wirksamkeit, insbesondere von Levonorgestrel, beeinflussen; hierzu wirst Du in der Apotheke sensibel und ohne Bewertung angesprochen und bei Bedarf an eine ärztliche Stelle verwiesen.
Zum Schluss erhältst Du konkrete Einnahmehinweise und Informationen zum weiteren Vorgehen
Die Pille danach sollte so bald wie möglich nach dem Verhütungsunfall eingenommen werden; wenn Du Dich sicher fühlst, oft direkt in der Apotheke mit etwas Wasser. Kommt es innerhalb von drei Stunden nach der Einnahme zu Erbrechen, wird in der Regel eine erneute Einnahme nötig, da das Medikament sonst nicht vollständig aufgenommen sein könnte. Dazu beraten die Apotheken Dich konkret je nach Präparat.
Du wirst darüber informiert, dass die nächste Monatsblutung etwas früher oder später kommen kann und manchmal auch stärker oder schwächer ausfällt. Bleibt die Regel länger als etwa eine Woche aus oder treten Schwangerschaftsanzeichen wie starke Übelkeit, Brustspannen oder ungewöhnliche Müdigkeit auf, sollte ein Schwangerschaftstest durchgeführt und gegebenenfalls ärztlicher Rat eingeholt werden. Zudem wird darauf hingewiesen, dass die Pille danach nur für diesen einen Notfall gedacht ist und keinen Schutz für die weitere Zeit im Zyklus bietet.
Diskrete Kommunikation und sensible Begleitung
In der Apotheke ist das Thema kein Tabu
Das Gespräch zur Pille danach wird bewusst ruhig und sachlich geführt, ohne moralische Bewertung. Viele Apotheken bieten von sich aus an, in einen separaten Beratungsraum zu gehen, damit Du in Ruhe sprechen und alle Informationen offen ansprechen kannst, auch wenn es Dir peinlich ist oder Du Dich schämst.
Auf Wunsch können auch Begleitpersonen wie Partner oder Freundin mit einbezogen werden, gleichzeitig wird aber darauf geachtet, dass Du als betroffene Person selbst zu Wort kommst und entscheiden kannst. Gerade bei sehr jungen Kundinnen spielt die Frage nach Freiwilligkeit und möglichem Druck eine Rolle; hier wird behutsam nachgefragt und bei Bedarf an ärztliche oder andere Hilfsangebote verwiesen.
Apotheken helfen, typische Unsicherheiten und Mythen zu klären
Viele Fragen drehen sich darum, ob die Pille danach „schädlich“ ist oder die Fruchtbarkeit dauerhaft beeinträchtigt. Nach heutigem Kenntnisstand geht man davon aus, dass die gelegentliche Einnahme der Pille danach die spätere Fruchtbarkeit nicht beeinträchtigt; sie ersetzt jedoch keine regelmäßige Verhütung. Ein aktueller Review beschreibt die Notfallverhütung als allgemein gut verträglich, mit meist kurzfristigen und vorübergehenden Nebenwirkungen wie Kopfschmerzen, Übelkeit oder Zwischenblutungen.
(Quelle: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/37922775/)
Ebenfalls aufgeklärt wird, dass die Pille danach nicht vor sexuell übertragbaren Infektionen schützt. Wenn ein Risiko dafür bestand, wird gegebenenfalls empfohlen, sich ärztlich oder bei spezialisierten Beratungsstellen vorzustellen. Außerdem erklären wir, dass wiederholte Einnahmen im selben Zyklus nicht sinnvoll sind und eine passende langfristige Verhütungsmethode mit Arzt oder Ärztin besprochen werden sollte.
Individuelle Besonderheiten: andere Medikamente, Vorerkrankungen, Alter
Wechselwirkungen und gesundheitliche Besonderheiten werden sorgfältig abgefragt
In der Apotheke wird nach regelmäßig eingenommenen Arzneimitteln gefragt, insbesondere nach Medikamenten gegen Epilepsie, HIV, Tuberkulose oder nach bestimmten pflanzlichen Präparaten. Diese können den Abbau der Pille danach beschleunigen und die Wirksamkeit verringern. In solchen Fällen wird gemeinsam geprüft, ob die orale Pille danach geeignet ist oder ob beispielsweise eine Kupferspirale beim Frauenarzt eine bessere Methode wäre.
Auch bestehende Erkrankungen wie schwere Asthmaerkrankungen unter spezieller Therapie, Leberfunktionsstörungen oder hormonabhängige Erkrankungen werden angesprochen. Je nach Situation kann dann eine ärztliche Abklärung nötig sein, bevor eine Notfallverhütung sicher empfohlen werden kann.
Jugendliche und sehr junge Frauen werden besonders geschützt beraten
Die Pille danach ist in Deutschland rezeptfrei und altersunabhängig in Apotheken erhältlich. Bei sehr jungen Kundinnen wird besonders sensibel nachgefragt, ob die Situation freiwillig war und ob ein ausreichendes Verständnis für Wirkung und Anwendung besteht. Wenn Anzeichen für Zwang, Übergriff oder großes seelisches Leid erkennbar sind, wird behutsam auf medizinische und psychosoziale Unterstützung hingewiesen.
Eltern müssen nicht automatisch einbezogen werden, dennoch kann die Einbindung einer Vertrauensperson sinnvoll sein, wenn die Kundin dies wünscht. Die Apotheke achtet darauf, rechtliche Vorgaben und den Schutz Minderjähriger einzuhalten und gleichzeitig die Vertraulichkeit des Gesprächs zu respektieren.
Was Du selbst vor dem Apothekenbesuch tun kannst
Notiere Dir einige Eckdaten und Fragen
Hilfreich ist, wenn Du Dir vorab folgendes notierst: Zeitpunkt des ungeschützten Geschlechtsverkehrs, Beginn der letzten Monatsblutung, Deine üblichen Zykluslängen und alle regelmäßig eingenommenen Medikamente oder besonderen Vorerkrankungen. So kann die Apotheke schnell einschätzen, welche Option in Deiner Situation am sinnvollsten ist.
Überlege auch, ob Du lieber allein oder mit Begleitung in die Apotheke gehen möchtest, und frage aktiv nach einem diskreten Beratungsraum, wenn Dir das Gespräch am HV-Tisch zu unangenehm ist. Je offener Du Deine Fragen stellst, desto besser kann die Apotheke Dich unterstützen.
Durch eine strukturierte, einfühlsame Beratung hilft die Apotheke, für Deine konkrete Situation die bestmögliche Notfalllösung zu finden, Risiken im Blick zu behalten und Dich sicher durch diese Ausnahmesituation zu begleiten.
Für eine Ersteinschätzung kannst Du unsere Apotheker und Apothekerinnen auch rund um die Uhr im Chat kontaktieren. Gib uns am besten direkt die im Beitrag genannten Informationen, damit wir deine Situation einschätzen können. Beachte aber bitte, dass wir die verpflichtende Beratung der Apotheken bei der Abgabe der Pille danach nicht ersetzen können.