• Nahrungsergänzungsmittel

Was ist Histaminintoleranz?

Steffen Kuhnert
Apotheker

Die Frage

Was ist eine Histaminintoleranz? Wie äußert sich diese und kann ich dagegen etwas unternehmen?

Die Antwort

Steffen Kuhnert
Apotheker

Histaminintoleranz ist ein oft übersehenes, aber weit verbreitetes Gesundheitsproblem, das sich negativ auf die Lebensqualität der Betroffenen auswirken kann. Histamin ist ein biogenes Amin, das im Körper eine wichtige Rolle spielt, insbesondere im Immunsystem, bei allergischen Reaktionen und bei der Regulierung des Magen-Darm-Trakts. Bei Menschen mit Histaminintoleranz führt der Verzehr von histaminhaltigen Lebensmitteln oder die Ansammlung von Histamin im Körper zu verschiedenen unangenehmen Symptomen. Diese Unverträglichkeit entsteht meist durch eine reduzierte Aktivität des Enzyms Diaminoxidase (DAO), das für den Abbau von Histamin im Körper verantwortlich ist.

Typische Beschwerden

Die Symptome einer Histaminintoleranz sind vielfältig und können sowohl das gastrointestinale als auch das immunologische System betreffen. Zu den häufigsten Beschwerden gehören:

  • Kopfschmerzen und Migräne: Viele Betroffene berichten von wiederkehrenden Kopfschmerzen, die oft mit der Nahrungsaufnahme in Verbindung stehen.
  • Gastrointestinale Beschwerden: Dazu gehören Übelkeit, Bauchschmerzen, Blähungen und Durchfall.
  • Hautreaktionen: Urtikaria (Quaddeln) und Juckreiz sind häufige Symptome, die durch erhöhten Histaminspiegel ausgelöst werden.
  • Atemwegsprobleme: Allergieähnliche Symptome wie Nasenverstopfung oder Asthmaanfälle können auftreten.
  • Herz-Kreislauf-Probleme: Einige Menschen erleben Herzrasen oder Blutdruckschwankungen.

Diese Symptome können je nach individueller Empfindlichkeit und der Menge an Histamin, die aufgenommen wurde, variieren.

Behandlungsmöglichkeiten

Die Behandlung der Histaminintoleranz umfasst mehrere Ansätze, die darauf abzielen, die Symptome zu lindern und die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern:

  1. Ernährungsanpassung: Eine der effektivsten Methoden zur Behandlung von Histaminintoleranz ist eine histaminarme Diät. Dies beinhaltet die Vermeidung von Lebensmitteln, die reich an Histamin sind, wie gereifter Käse, alkoholische Getränke und fermentierte Nahrungsmittel. Die Identifizierung individueller Trigger ist entscheidend.
  2. Diaminoxidase (DAO) Supplements: Studien zeigen, dass die Einnahme von DAO-Präparaten vor dem Verzehr histaminreicher Nahrungsmittel helfen kann, die Symptome der Histaminintoleranz zu lindern. Dies funktioniert, indem das Enzym die überschüssige Histaminmenge im Körper abbaut und so die Symptome reduziert. Insbesondere wurde festgestellt, dass Patienten mit Histaminintoleranz von dieser Form der Behandlung profitieren können, die sowohl gastrointestinale als auch andere Symptome verbessert (Pubmed).
  3. Diagnose durch DAO-Messung: Die Bestimmung der DAO-Spiegel im Serum kann bei der Diagnose von Histaminintoleranz hilfreich sein. Niedrige DAO-Spiegel sind ein Indikator dafür, dass der Körper Schwierigkeiten hat, Histamin abzubauen (Pubmed).
  4. Unterstützende Therapien: In einigen Fällen können Antihistaminika zur Linderung akuter Symptome eingesetzt werden. Diese sollten jedoch immer unter ärztlicher Aufsicht verwendet werden.

Die neuesten und relevantesten Studien und Informationen zu Diaminoxidase (DAO) zeigen, dass eine Zufuhr von Diaminoxidase-Präparate helfen könnten:

1. Diaminoxidase: Helfen Nahrungsergänzungsmittel bei Histaminintoleranz?

Zusammenfassung: Diese Quelle beschreibt, dass Diaminoxidase-Präparate helfen können, Symptome der Histaminintoleranz zu lindern, die zu Migräne, Kopfschmerzen, Verdauungsproblemen und Hauterkrankungen führen können. Die Einnahme von DAO vor dem Verzehr histaminhaltiger Lebensmittel wird empfohlen.
PubMed Link

2. Diaminoxidase-Supplementierung verbessert Symptome bei Patienten mit Histaminintoleranz

Zusammenfassung: In dieser Studie wurde nachgewiesen, dass Supplementierung mit Diaminoxidase die Symptome von Histaminintoleranz, einschließlich gastrointestinaler Beschwerden, Hautreaktionen und Kopfschmerzen, signifikant verbessern kann. Organspezifische Symptome variieren und betonen die Notwendigkeit der Individualisierung der Behandlung.
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3. Messung der Diaminoxidase (DAO) während histaminarmer oder normaler Ernährung bei Patienten mit Histaminintoleranz

Zusammenfassung: Diese Studie untersucht die Messung der DAO-Aktivität bei Patienten mit Histaminintoleranz. Sie diskutiert die Herausforderungen in der Diagnostik und die Bedeutung von DAO-Werten zur Bestimmung der Histaminabbaukapazität im Körper.
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4. Bewertung der Serumdiaminoxidase als diagnostischer Test für Histaminintoleranz

Zusammenfassung: Diese Studie analysiert, wie die Serumkonzentrationen von Diaminoxidase als diagnostisches Werkzeug für Histaminintoleranz verwendet werden können. Ein niedriger DAO-Spiegel kann auf eine reduzierte Fähigkeit hinweisen, Histamin abzubauen, was mit verschiedenen Symptomen korreliert.
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5. Die Geschwindigkeit des Histaminabbaus durch Diaminoxidase hängt von der Ernährung ab

Zusammenfassung: Die Studie beschreibt, dass die Fähigkeit von Diaminoxidase, Histamin abzubauen, stark von der Ernährung abhängt. Eine eiweißreiche oder ballaststoffreiche Ernährung kann die DAO-Aktivität beeinflussen und sollte in der Beratung von Patienten mit Histaminintoleranz berücksichtigt werden.
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Beratungsrelevante Erkenntnisse:

  • DAO-Supplementierung: Kann bei Symptomen der Histaminintoleranz hilfreich sein, insbesondere bei der Einnahme von histaminreichen Lebensmitteln.
  • Diagnosewerkzeug: DAO-Spiegel im Serum können zur Diagnose von Histaminintoleranz genutzt werden, sind jedoch variabel und erfordern die ärztliche Expertise.
  • Ernährungsberatung: Eine angepasste Diät kann die DAO-Aktivität beeinflussen und sollte Teil der Behandlung sein.

Fazit

Histaminintoleranz kann eine erhebliche Belastung für Betroffene darstellen, da die Symptome oft die Lebensqualität beeinträchtigen. Eine sorgfältige Diagnostik und personalisierte Ansätze, die Ernährung und eventuell DAO-Supplementierung einschließen, können jedoch helfen, die Beschwerden zu lindern. Sollten Sie Anzeichen einer Histaminintoleranz bemerken, ist es ratsam, einen Arzt zu konsultieren, um eine geeignete Behandlungsstrategie zu entwickeln.