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Warum ist Brokkoli ein Superfood?

Ein Apotheker mit kurzen dunklen Haaren und Brille, der einen schwarzen Pullover mit Rundhalsausschnitt trägt, lächelt, während er vor einem hellblauen Hintergrund in die Kamera blickt und so Vertrauen in die rund um die Uhr verfügbaren Dienste der Online-Apothekenberatung ausstrahlt.
Steffen Kuhnert
Apotheker

Die Frage

Eine einfache schwarze und weiße Strichzeichnung einer Brokkoliröschen auf einem hellblauen abstrakten Hintergrund.

Ich lese im Internet immer wieder bei Nahrungsergänzungsmitteln und Superfoods, dass Brokkoli besonders gesund sein soll? Was hat das für einen Hintergrund?

Die Antwort

Ein Apotheker mit kurzen dunklen Haaren und Brille, der einen schwarzen Pullover mit Rundhalsausschnitt trägt, lächelt, während er vor einem hellblauen Hintergrund in die Kamera blickt und so Vertrauen in die rund um die Uhr verfügbaren Dienste der Online-Apothekenberatung ausstrahlt.
Steffen Kuhnert
Apotheker

Brokkoli zählt schon seit Längerem in der Presse zu den absoluten Superstars auf unserem Teller. Ob in Smoothies, als Beilage oder sogar als Nahrungsergänzungsmittel, kaum ein gesundheitsbewusster Mensch kommt am „Superfood“ Brokkoli vorbei. In Zeitschriften, Kochbüchern und auf Social Media ist regelmäßig zu lesen, das grüne Gemüse könne sogar Krebs vorbeugen oder dem Gehirn neue Kraft verleihen. Hier einige Informationen und Studien, auf die sich diese Aussagen berufen und warum Brokkoli kein Wundermittel ist, aber dennoch interessante Eigenschaften mit sich bringt.

Der interessanteste Inhaltsstoff in Brokkoli oder auch Brokkoli-Pulver als Nahrungsergänzungsmittel ist Sulforaphan.

Was ist Sulforaphan?
Sulforaphan ist ein sekundärer Pflanzenstoff, der zur Gruppe der Isothiocyanate gehört. Besonders reichlich ist er in Kreuzblütlern wie Brokkoli, Rosenkohl und Kohl enthalten – Brokkolisprossen weisen davon die höchsten Konzentrationen auf. Sulforaphan entsteht, wenn das in der Pflanze enthaltene Enzym Myrosinase auf den Stoff Glucoraphanin trifft, etwa beim Zerkleinern oder Kauen der rohen Pflanze.

Seit seiner Identifizierung in den 1990er-Jahren ist Sulforaphan ein Star in der Ernährungswissenschaft: Es wirkt antioxidativ, entzündungshemmend und zeigt zellschützende Effekte in Laboruntersuchungen. Doch wie sieht es mit der Wirksamkeit beim Menschen aus?

Wofür wird Sulforaphan eingesetzt?
Aufgrund seiner besonderen biochemischen Eigenschaften interessieren sich Forscher für Sulforaphan vor allem in folgenden Bereichen:

Krebsprävention und -therapieunterstützung: Studien deuten darauf hin, dass Sulforaphan das Entstehen und Fortschreiten von Tumoren ausbremsen oder sogar verhindern könnte, etwa bei Brust-, Prostata- oder Lungenkrebs.
Stoffwechselerkrankungen: Sulforaphan wird auf seine Fähigkeit untersucht, den Blutzuckerstoffwechsel günstig zu beeinflussen – relevant für Prädiabetes und Typ-2-Diabetes.
Gehirngesundheit und psychische Erkrankungen: Es gibt Hinweise, dass Sulforaphan neuroprotektiv wirken und etwa im Kontext von Schizophrenie oder neurodegenerativen Erkrankungen wie Parkinson unterstützend sein könnte.
Allgemeine Entzündungshemmung: Aufgrund der Hemmung von Entzündungsprozessen könnte Sulforaphan auch für chronisch-entzündliche Erkrankungen interessant sein.
Doch wie belastbar sind die bisherigen wissenschaftlichen Belege? Hier helfen aktuelle klinische Studien weiter.

Was sagen aktuelle Studien?
1. Krebsvorbeugung bei Risikogruppen
In einer randomisierten Phase-II-Studie (2025) wurde Sulforaphan bei ehemaligen Rauchern untersucht, die ein erhöhtes Risiko für Lungenkrebs aufwiesen. Die Ergebnisse zeigen zwar keine Wunderheilung, aber einen Trend zur Verbesserung bestimmter Zellveränderungen, die für Lungenkrebs typisch sind. Dies unterstreicht das Potenzial des Wirkstoffs für die Prävention bei besonders gefährdeten Personen (siehe: PubMed).

2. Sulforaphan bei Prädiabetes
Eine neue klinische Studie betrachtete die Wirkung von Brokkolisprossen-Extrakt (Hauptquelle für Sulforaphan) auf den Blutzuckerstoffwechsel von Menschen mit Prädiabetes. Sulforaphan zeigte positive Effekte auf den Glukosestoffwechsel – besonders interessant, da Prädiabetes als Vorstufe von Typ-2-Diabetes sehr weit verbreitet ist. Die Ergebnisse deuten auf ein unterstützendes Potenzial neben klassischen Lebensstilmaßnahmen hin (Studie auf Nature.com).

3. Einsatz in der Krebstherapie: Fokus Brustkrebs
Eine Übersichtsarbeit, die mehrere aktuelle Studien zusammenfasst, sieht Hinweise auf einen begleitenden Nutzen von Sulforaphan in der Brustkrebstherapie. Hier sind die meisten Daten allerdings noch experimentell oder aus Tierversuchen; randomisierte große Humanstudien stehen aus. Dennoch: Die Präventions- und Unterstützungsmöglichkeiten gelten als vielversprechend (PubMed).

4. Unterstützung bei psychischen Erkrankungen
Sulforaphan wird auch bei psychiatrischen Störungen – insbesondere bei Schizophrenie – untersucht. Zwei neue Studien zeigten, dass Sulforaphan in Kombination mit herkömmlichen Antipsychotika die sogenannten negativen Symptome (z.B. Antriebslosigkeit, soziale Rückzüge) und auch die kognitive Leistungsfähigkeit bei Schizophrenie-Patienten positiv beeinflussen könnte. Die Ergebnisse sind vorsichtig optimistisch, weitere Untersuchungen mit größeren Patientengruppen sind jedoch erforderlich (z.B. Studie im „Journal of Clinical Psychiatry“).

5. Sicherheit und Bioverfügbarkeit
Eine Phase-I-Studie hat die Sicherheit und Aufnahmemenge (Pharmakokinetik) von stabilisiertem Sulforaphan untersucht. Ergebnis: Bei den verwendeten Dosen traten keine nennenswerten Nebenwirkungen auf, was die Substanz auch für längerfristige Anwendungen interessant macht (PubMed).

6. Neuroprotektion: Hoffnung für Gehirn und Nerven
Forschungen an Mensch und Tier legen nahe, dass Sulforaphan das Gehirn schützen könnte, z.B. bei Parkinson. Zwar fehlt es hier noch an großen klinischen Studien, die ersten Einzelberichte und Übersichtsarbeiten lassen jedoch aufhorchen (Review-Artikel).

Wie kann man Sulforaphan aufnehmen?
Wer Brokkoli liebt, muss sich keine Sorgen machen – über den regelmäßigen Verzehr von rohem oder knapp gegartem Brokkoli, Brokkolisprossen oder anderen Kreuzblütlern nimmt man automatisch Sulforaphan auf. Besonders ertragreich sind frische Sprossen. Es gibt außerdem Nahrungsergänzungsmittel und Extrakte, die teils in Studien getestet werden – hier ist die Qualität und Dosierung entscheidend.

Tipp: Brokkoli erst kurz vor dem Verzehr schneiden und nicht zu lange kochen, damit das wertvolle Enzym Myrosinase erhalten bleibt – so entsteht mehr Sulforaphan.

Fazit: Brokkoli als Medizin?
Noch ist Sulforaphan kein Wunderheilmittel. Die bisherige Studienlage ist vielversprechend – insbesondere für die Prävention bei Risikopersonen, als Zusatztherapie bei Stoffwechsel- und manchen psychischen Erkrankungen sowie potenziell als Begleitmaßnahme in der Krebstherapie. Die Effekte sind meist moderat, können aber als Teil eines gesunden Lebensstils einen Beitrag leisten.

Wichtig: Nahrungsergänzungsmittel sollten immer kritisch geprüft werden. Vor allem bei bestehenden Erkrankungen sollte die Einnahme am besten mit dem Arzt abgesprochen werden. Wer einfach mehr Brokkoli und andere Kohlarten isst, liegt allerdings fast immer richtig!

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