Ich höre immer wieder, dass Cannabis meinen Blutdruck beeinflussen oder sogar das Risiko für Bluthochdruck erhöhen kann. Stimmt das, und sollte ich mir deshalb Sorgen um meine Herz-Kreislauf-Gesundheit machen?
Nach aktuellem Forschungsstand erhöht Cannabis das Risiko für Bluthochdruck langfristig offenbar nicht. Eine große Langzeitstudie fand keinen Zusammenhang zwischen Cannabiskonsum und dem Auftreten von Bluthochdruck. Das Risiko scheint also durch den Konsum nicht zu steigen.
Eine neue Auswertung der renommierten CARDIA-Studie aus den USA liefert jetzt wichtige Antworten. Über 4.300 junge, herzgesunde Erwachsene wurden bis zu 35 Jahre lang begleitet. Im Fokus stand der lebenslange Cannabiskonsum und die Entwicklung von Bluthochdruck.
Und das Ergebnis überrascht: Trotz über 88.000 beobachteter Personen-Jahre zeigte sich kein signifikanter Zusammenhang zwischen der Menge an konsumiertem Cannabis im Laufe des Lebens und dem Risiko, Bluthochdruck zu bekommen. Die sogenannte Hazard Ratio lag bei 0,99 (95 % Konfidenzintervall 0,97–1,00; p = 0,18). Das Risiko war also praktisch identisch, unabhängig davon, wie viel oder wie oft Cannabis im Leben konsumiert wurde. Auch unter Berücksichtigung weiterer Faktoren wie Alkohol- oder Tabakkonsum blieb dieses Ergebnis bestehen.
Auch andere aktuelle Forschungsarbeiten stützen dieses Ergebnis. So fand eine 2023 im Journal of Clinical Hypertension veröffentlichte Meta-Analyse keinen klaren Zusammenhang zwischen moderatem Cannabiskonsum und dem Risiko für Bluthochdruck bei Erwachsenen (Quelle: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/37450631/).
Eine weitere US-Studie aus dem Jahr 2021 untersuchte die akuten Effekte von Cannabis auf das Herz-Kreislauf-System und zeigte zwar kurzfristige Veränderungen wie erhöhte Herzfrequenz, konnte aber keinen langfristigen Effekt auf den Blutdruck nachweisen (Quelle: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/34075685/).
Fazit: Aus heutiger Sicht scheint regelmäßiger Cannabiskonsum, zumindest was den Blutdruck angeht, kein erhöhtes Risiko zu bedeuten. Dennoch können andere gesundheitliche Risiken bestehen, die nicht vergessen werden sollten.