Es gibt Patienten, die seit zehn oder fünfzehn Jahren nicht mehr beim Zahnarzt waren. Die Frage, wenn sie sich melden, ist immer dieselbe: Wo fange ich an? Der erste Termin muss keine Behandlung sein. Es kann ein Gespräch sein – ohne Bohrer, ohne Spritze, ohne dass gleich irgendjemand loslegt.

Warum die Pause länger wird, als geplant war
Niemand muss sich dafür schämen. Eine Behandlung, die wehgetan hat. Ein Kommentar, der sitzen geblieben ist. Eine Spritze, die nicht richtig gewirkt hat. Manchmal ist es auch gar nichts Konkretes – nur ein Anruf, der nicht erledigt wurde. Nach einem Jahr wirkt er peinlich. Nach drei Jahren unmöglich.
Das Gehirn speichert solche Momente gut. Eine einzige schlechte Erfahrung kann zwei Jahrzehnte halten.
Der erste Anruf
Der Anruf ist für die meisten das Schwerste. Ein Satz reicht: „Ich war seit Jahren nicht mehr beim Zahnarzt. Kann ich erstmal nur zum Reden kommen, ohne Behandlung?“ Praxen, die mit Angstpatienten arbeiten, kennen das. Die Antwort ist Ja. Wer trotzdem nicht anrufen kann, schreibt eine kurze E-Mail.

Was beim ersten Termin passiert
Ankommen, kurz sitzen, durchatmen. Das Gespräch findet nicht im Behandlungsstuhl statt. Danach, wenn man es zulässt, ein kurzer Blick in den Mund – meist nur mit dem Spiegel, nichts, was wehtut. Man geht ohne Behandlung raus, weiß aber, was dringend ist und was warten kann.
Was im Behandlungsstuhl tatsächlich hilft
Ulli Labermeier ist Zahnarzt in Königsdorf und behandelt seit über zwanzig Jahren Patienten mit Zahnarztangst. Was er immer wieder sieht: Das Stop-Signal macht mehr aus, als die meisten vorher glauben. Hand heben, sofort Stopp – ohne Erklärung. Nur zu wissen, dass das möglich ist, verändert, wie man in der Situation sitzt.
Kürzere Termine helfen ebenfalls. Zwei kurze Sitzungen statt einer langen, weniger Anspannung pro Besuch. Und für die Spritze: Es gibt ein Oberflächengel, das man kurz vorher aufträgt. Es nimmt den Pieks fast weg. Erstaunlich viele Patienten wissen das nicht.

Wenn das alles nicht reicht
Lachgas hilft nach wenigen Minuten, man bleibt wach, und die Wirkung ist nach dem Termin weg – man kann selbst fahren. Midazolam wirkt stärker, aber dann braucht man jemanden, der einen abholt. Beides kostet extra, meist 80 bis 200 Euro.
Die richtige Praxis
Einfacher Test: Beim ersten Anruf hört jemand zu, statt direkt Termine anzubieten. Man kann ohne Behandlung vorbeikommen. Und man weiß, wer einen behandelt – nicht bei jedem Mal jemand anderes. Bei Angstpatienten ist Kontinuität kein Komfort, sondern Voraussetzung.